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Darum kostet der Pavillon 451.000 Euro!

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Da steht er nun, der feine Empfangspavillon im Chemnitzer Küchwald. Geschwungenes Dach, runde Formen und ein Mosaik, das in seiner Farbgebung an den Lulatsch erinnern soll. Er steht auf einer der sogenannten Interventions-Flächen der Kulturhauptstadt. Super schön und sauteuer. 451.000 Euro schlagen für das Projekt zu Buche – so viel, wie man auch für ein Einfamilienhaus auf den Tisch legen würde.

Ein nüchterner Blick

Wenn man die Kulturhauptstadt-Brille absetzt, ist der Pavillon aber nichts anderes als ein schönes Toilettenhäuschen mit einigen technischen Bonbons. Ein Flachbildschirm liefert Infos und Veranstaltungstipps, E-Bike-Akkus können geladen werden. Dazu gibt es Schließfächer und einen Wickeltisch.

Und dafür gibt man fast eine halbe Million Euro aus? Das ist doch Irrsinn!

Extrageld von SED & Co.

Wir wollten es von der Stadtverwaltung wissen, warum das multifunktionale Örtchen derart teuer ist, schickten die erste E-Mail am 17. März an die Pressestelle der Stadt. In der Antwort wurde darauf verwiesen, dass es neben den Kulturhauptstadtmitteln (325.000 Euro) auch Geld aus dem Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel) gab – genau 126.000 Euro.

Das erklärt die Summe, aber nicht den konkreten Verwendungszweck. Es folgten mehrere E-Mails und immer wieder ausweichende Antworten.

Die finale Antwort

Schließlich rang man sich im Rathaus zu einer weiteren Antwort per E-Mail durch: Die Kosten lassen sich gemäß DIN 276 wie folgt zuordnen:

  • KG 300 (Bauwerk und Konstruktion): 220.000 Euro
  • KG 400 (Technische Anlagen): 55.000 Euro
  • KG 500 (Außenanlagen): 116.000 Euro
  • KG 700 (Baunebenkosten): 60.000 Euro

Dazu klingelte das Telefon. Der Pressesprecher der Stadt, Matthias Nowak, meldete sich und erklärte: „Noch detaillierter gibt das Bauamt die Kosten nicht heraus. Aber es ist so, dass viele Baugruppen extra angefertigt werden mussten, um die Pläne der Architekten umsetzen zu können.“

Das vorerst letzte Kapitel

Es folgte das vorerst finale Kapitel in Sachen Pavillon. Denn er ist nicht nur sauteuer, sondern musste wenige Stunden nach der Eröffnung bereits wieder gesperrt werden. Wegen eines technischen Defekts ließen sich die Toilettentüren nicht mehr öffnen. Da zunächst keine Handwerker gefunden wurden, blieb die Anlage bis zum 17. April geschlossen.

Meine Meinung

Natürlich ist es richtig, das Projekt Kulturhauptstadt auch mit bleibenden Investitionen zu untersetzen. Aber 451.000 Euro für ein „multifunktionales“ Toilettenhäuschen sind nicht angemessen. Ich wette, das regionale Handwerker das deutlich preiswerter hinbekommen hätten.
Das Argument: „Es sind Fördermittel, die muss Chemnitz ja nicht bezahlen!“, ist falsch. Die Gelder werden nicht von einem Kulturhauptstadt-2025-Gott in die Region geblitzt, sondern sie kommen aus Steuern, die auch alle Chemnitzer Monat für Monat bezahlen.