Corona-Pandemie hat Lage der Frauen erschwert
Die Corona-Pandemie hat die Lage von Frauen und ihre Belastung auch in Sachsen erschwert. Das ist das Fazit einer Debatte zu den Krisenfolgen am Donnerstag im Sächsischen Landtag, die von der Grünen-Fraktion beantragt wurde. Die Abgeordnete Lucie Hammecke machte dabei gleich zu Beginn auf das Problem häuslicher Gewalt aufmerksam. „Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt: Straftaten im Bereich häusliche Gewalt sind im Jahr 2020 angestiegen. Die Corona-Pandemie hat die bereits bestehenden Probleme noch einmal verschärft. Davon sind vor allem Frauen betroffen.“
Hammecke zufolge hat die Pandemie auch dazu geführt, dass Frauen zu Hause noch einmal mehr „Sorgearbeit“ übernommen haben: „Doch je mehr Sorgearbeit Frauen dauerhaft übernehmen, desto weniger können Frauen erwerbstätig sein.“ Damit drohten Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung sowie geringere eigene Rentenansprüche: „Individuelle Abhängigkeiten und Armut sind die Folgen.“ Die Benachteiligung werde auch im Berufsleben deutlich. Frauen arbeiteten zwar überproportional häufig in den systemrelevanten Berufen, verdienten im Schnitt aber 18 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
„Manche sprechen davon, dass es durch die Corona-Pandemie zu einer Rückkehr des Patriarchats kommt (...) Ich bin mir ziemlich sicher: Es war nie weg“, sagte Hammecke. Die AfD-Abgeordnete Martina Jost sah später keine patriarchalischen Strukturen in der Gesellschaft und schloss ihre Rede mit dem Satz: „Machen sie eine ordentliche Politik, dann geht es den Menschen gut und auch den Frauen.“ Ihre Fraktionskollegin Doreen Schwietzer stellte fest, dass es nicht nur Frauen in der Pandemie schlechter geht, sondern auch Kindern und Männern und hob damit auf die Corona-Schutzmaßnahmen ab.
Sarah Buddeberg (Linke) begann ihre Ansprache mit einem Spruch aus der emanzipatorischen Frauenbewegung: „Wer sich nicht wehrt, endet am Herd.“ Es gehe nicht darum, dass Frauen nicht in die Küche sollen. Entscheidend sei vielmehr, ob sie das freiwillig tun. Da Frauen oft das geringere Einkommen haben, sei es auch nicht freiwillig, wenn sie in der Corona-Krise zu Hause blieben und die Betreuung der Kinder übernehmen. Die Pandemie habe weniger einen Rückfall in alte Rollenbilder gebracht, sondern eher die Erkenntnis, dass diese Rollenbilder noch gar nicht aufgebrochen waren.
Auch SPD-Politikerin Hanka Kliese beschrieb die Mehrfachbelastung von Frauen in der Pandemie. Sie würden zu Hause das Homeschooling beaufsichtigen, das Essen machen und sich nebenher auch noch um ihre Arbeit kümmern. Zur Illustration schilderte sie den Inhalt eines Videoclips, den ihr viele in der Pandemie zugeschickten: Eine Frau sitzt beim Bewerbungsgespräch und hört den Arbeitgeber sagen: Das ist eigentlich ein Job, den normalerweise zwei Männer machen. Ach, sagt die Frau enttäuscht, wieder nur ein Teilzeit-Job.