Chemnitz gedenkt Zerstörung der Stadt vor 66 Jahren
Friedlicher Protest gegen Neonazi-AufmarschMit zahlreichen Veranstaltungen hat Chemnitz am 5. März der Zerstörung der Stadt vor 66 Jahren gedacht. Am 5. März 1945 hatten alliierte Bomberverbände fast die gesamte Innenstadt in Schutt und Asche gelegt. Auch in diesem Jahr mißbrauchten Neonazis den Gedenktag für ihre Zwecke. Tausende Chemnitzer stellten sich dem Aufmarsch der NPD entgegen. Als am Nachmittag etwa 400 Neonazis vom Hauptbahnhof aus loszogen, wurde der Marsch von lautstarken Pfiffen und "Nazis raus" - Rufen begleitet. Unter massivem Polizeischutz marschierte die NPD zwei Stunden lang durch die Innenstadt. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegendemonstranten. Einsatzkräfte lösten am Tietz gewaltsam eine Sitzblockade auf. Auch unbeteiligte Passanten gerieten zwischen die Fronten und wurden von Polizisten angegriffen. Eine Gruppe Beamter jagte zum Beispiel mehrere Gegendemonstranten über die Klosterstraße und den Markt, dabei wurde auch gewaltsam gegen Passanten vorgegangen, die den Polizisten offenbar in diesem Moment im Weg waren. Insgesamt gab es mindestens drei Verletzte. Die Beamten waren offenbar mit der Situation überfordert. Den Einsatzkräften war es nicht gelungen, Nazis und Gegendemonstranten auf Abstand zu halten. Teilweise zog die NDP in unmittelbarer Nähe an den aufgebrachten Chemnitzern vorbei. Die Grünen hatten bereits im Vorfeld den Beamten vorgeworfen, die Bürger einzuschüchtern. Auch nach der Nazidemo hagelt es Kritik an dem massiven Polizeieinsatz. Rund 1.400 Beamte aus mehreren Bundesländern hatten den Zug der rechtsextremen NPD durch die Innenstadt abgesichert. Das Bürgerbündnis für Toleranz und Frieden bezeichnete das Vorgehen der Beamten als unverhältnismäßig. Man werde sich juristische Schritte vorbehalten. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig will jetzt eine Debatte darüber anstoßen, wie wehrhaft Demokratie sein sollte. Die Stadt Chemnitz hatte den Aufmarsch der NPD verboten. Das Chemnitzer Verwaltungsgericht hob dieses Verbot jedoch wieder auf. "Es gibt hier einen eklatanten Widerspruch zwischen Recht und Moral, den wir den Bürgern nicht mehr erklären können. Die Menschen erwarten, dass der braune Spuk keinen Platz in den Städten bekommt", so Barbara Ludwig. Gleichzeitig dankte sie allen, die am Samstag ein deutliches Zeichen gegen die Nazis gesetzt haben. "Danke an alle, die da waren, und Danke an alle, die sich engagiert haben, die vielen Ehrenamtler und die Mitstreiter aus dem Theater beispielsweise."