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Chemnitz erinnert an Rückbenennung vor 25 Jahren

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Chemnitz erinnert an diesem Sonntag an die Rückben­ne­nung der Stadt vor 25 Jahren. Am 1. Juni 1990 wurde aus Karl-Marx-Stadt wieder Chemnitz, aus diesem Anlass gibt es am Nachmittag eine große Plauder­meile auf dem Neumarkt. Beginn ist um 14 Uhr. Die Besucher können unter anderem mit den Initia­toren der damaligen Bürger­be­fra­gung ins Gespräch kommen und eigene Geschichten zum Thema Rückbe­nen­nung erzählen.Im Mai 1953 hatte man Chemnitz den Namen des Philo­so­phen verpasst, ohne die Bürger zu fragen. Chemnitz war bei der Namens­weihe eigent­lich nur dritte Wahl - hinter Eisen­hüt­ten­stadt und Leipzig. Da aber Stalin im März 1953 starb, wurde Eisen­hüt­ten­stadt kurzer­hand zur Stalin­stadt. Auf eine Umbenen­nung von Leipzig verzich­tete man, weil die Metro­pole als inter­na­tio­naler Messe­standort seit Jahrhun­derten Tradi­tionen besaß. Und irgendwie passte Marx ja auch zum indus­triell geprägten Chemnitz, obwohl er das „Sächsi­sche Manches­ter“ selbst nie betreten hatte. Die Rückkehr zum alten Stadt­namen wurde von den Einwoh­nern gleich nach der politi­schen Wende vehement einge­for­dert. Bis zum 22. April 1990 hatten die Einwohner Zeit, auf einer Stimm­karte für Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt zu votieren. Drei Viertel der Wahlbe­rech­tigten betei­ligten sich. Das Ergebnis fiel eindeutig aus und schaffte es sogar in die Abend­nach­richten im Westen: Gut 76 Prozent der Teilnehmer an der Befra­gung hatten für Chemnitz gestimmt. Neben dem Namen wollten damals einige am liebsten auch das monumen­tale Denkmal für den Denker abreißen. Der gut sieben Meter hohe und 40 Tonnen schwere Bronze­kopf war aller­dings nicht ohne weiteres aus dem Stadt­bild zu entfernen. Die Zeiten, wo Marx mit Argwohn betrachtet wurde, sind lange vorbei. Es gibt eine Art Rückbe­sin­nung. Das Monument gehöre zur Stadt, ist Teil ihrer Geschichte. Heute ist der Nischel, wie die Chemnitzer das Denkmal nennen, nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern auch ein Treff­punkt Jugend­li­cher. Zahlreiche Reise­an­denken sorgen dafür, dass der Marx-Kopf inzwi­schen zum Export­schlager avancierte.