Begehungen! Kunst im Schatten des Lulatschs
Das alte Heizkraftwerk im Chemnitzer Norden. Einst dampfte hier Braunkohle durchs Rohr. Im Sommer 2025 zieht nun die Kunst ein – mit großen Namen, jungen Perspektiven und einem Thema, das größer kaum sein könnte: die ökologische Krise. Vom 18. Juli bis 17. August wird das stillgelegte Braunkohle-Heizkraftwerk zur Kulisse des Kunstfestivals Begehungen. Das Motto: „Everything is Interaction“. Ein Zitat von Alexander von Humboldt steht Pate – und ein klarer Anspruch dahinter: Wechselwirkungen sichtbar machen. Zwischen Natur und Technik. Mensch und Umwelt. Ressourcen und Macht.
„Alles ist Wechselwirkung. Nichts steht für sich allein, ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.“ Diese Zeilen notierte der große Naturforscher zu Beginn des 19. Jahrhundert unter dem Eindruck seiner ersten großen Amerika-Reise von 1799 bis 1804. Humboldt hatte u.a. beim Besuch des Valenciasees in Venezuela erkannt, dass dessen kontinuierlicher Wasserverlust eine Folge von Waldrodungen zum Anlegen von Plantagen war. Holz- und Wassermangel, aber auch die Gefahr von Überschwemmungen aufgrund ausgetrockneter Böden benannte er als Folge der menschlichen Eingriffe.
Große Namen, klare Themen
32 internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten. Darunter bekannte Namen wie Hito Steyerl, Olaf Nicolai, Gregor Schneider oder Ursula Biemann. Viele von ihnen haben bereits bei der Venedig-Biennale ausgestellt. Auch Henrike Naumann, Lara Almarcegui und Daniel Otero Torres sind mit dabei. Kuratiert wird die Schau von Dr. Claudia Tittel. Sie sagt: „Mir war wichtig, die Komplexität der ökologischen Krise aus verschiedenen Blickwinkeln zu zeigen – und gleichzeitig den jungen, experimentellen Geist der Begehungen zu bewahren.“
Open Call, junges Programm
Ein Drittel der Ausstellung stammt aus einem internationalen Open Call – exklusiv für Künstler unter 30 Jahren. Acht Arbeiten wurden aus über 300 Bewerbungen ausgewählt. Darunter Werke von Katharina Sauermann, Elza Gubanova und dem AWOL Collective. Dazu kommt das Artist-in-Residence-Programm. Drei Partnerinstitutionen aus Finnland, Tschechien und Italien nominieren jeweils eine Künstlerin oder einen Künstler. Ein Highlight wird die Arbeit von Rikuo Ueda. Der japanische Künstler hat eine seiner bekannten Wind-Installationen vor Ort entwickelt – eigens für das Heizkraftwerk.
Kunst, die bleibt
Zu sehen sein werden Installationen, Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen sowie Video- und Soundarbeiten. Ein Viertel der Werke entsteht vor Ort – teilweise mit Beteiligung von Anwohnern und ehemaligen Kraftwerksmitarbeitern. Ein Ort im Wandel. Eine Ausstellung im Wandel. Alles ist Wechselwirkung.
Das komplette Programm finden Sie hier.