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Zehntausende treffen sich im Teil-Lockdown zu „Querdenken“-Demo

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Leipzig war am Samstag Demo-Metropole - insgesamt 27 Versammlungen wurden nach Angaben der Stadt angemeldet. Die meisten Menschen waren bei der „Querdenken“-Demonstration. 16.000 Teilnehmer wurden von der Ordnungsbehörde zugelassen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei lag die Zahl aber bei mindestens 20.000. Mitorganisator der Querdenkerdemo Christian Stolle sagte uns vorab, man wolle ein gesellschaftliches Gespräch führen, bei dem alle Meinungen angehört werden. Es gab zahlreiche Gegenproteste.

Die Polizei sicherte die Demos mit einem Großaufgebot ab. Hundertschaften aus acht Bundesländern kamen zur Unterstützung.

Nach der Auflösung der „Querdenken“-Demo in Leipzig ist es zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die aktuellen Entwicklungen lesen Sie hier.

Am Samstagnachmittag zündeten Teilnehmer in der Innenstadt und am Augustusplatz Böller und Raketen. Am Hauptbahnhof kam es zu kleineren Schlägereien zwischen Teilnehmern der Demo und Gegendemonstranten, Polizisten gingen dazwischen. Auf Twitter berichtete die Polizei von Angriffen auf die Einsatzkräfte. „Wiederholt werden Einsatzkräfte in #Leipzig attackiert. Unterlassen Sie das Zünden von Pyrotechnik und den Bewurf mit Gegenständen!“ Gegen Straftäter werde man konsequent vorgehen.

Zuvor hatte die Stadt Leipzig die Kundgebung mit nach Polizeiangaben 20 000 Teilnehmern aus ganz Deutschland aufgelöst, da sie größtenteils gegen die Versammlungsauflagen verstoßen hatten. Polizeisprecher Olaf Hoppe sagte, 90 Prozent der Teilnehmer habe keinen Mund-Nase-Schutz getragen. Außerdem wurde die zulässige Teilnehmerzahl weit überschritten. 

Der Kundgebung vorausgegangen war ein juristisches Tauziehen. Vom sächsischen Oberverwaltungsgericht wurde eine Kundgebung mit 16 000 Teilnehmern erlaubt. Die Stadt Leipzig hatte der „Querdenken“-Bewegung aus Infektionsschutzgründen eigentlich einen Platz an der Neuen Messe zuweisen wollen, außerhalb des Zentrums. Das Verwaltungsgericht Leipzig hatte dies bestätigt, das OVG entschied anders.

„Es ist schwer erklärbar, dass sich derzeit nur zwei Hausstände treffen dürfen, aber 16 000 Menschen auf einem Platz demonstrieren dürfen“, sagt Leipzigs Stadtsprecher Matthias Hasberg am Vormittag auf Anfrage. Halte man die vorgeschrieben Abstände von 1,5 Meter ein, komme man auf maximal 5000 Menschen für den Augustusplatz. Eine Begründung der Entscheidung will das Oberverwaltungsgericht nach Angaben der Stadt in den kommenden Tagen nachreichen.