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Aufarbeitung: Missbrauch in der Katholischen Kirche
Bei der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt in der katholischen Kirche wollen das Erzbistum Berlin, die Bistümer Dresden-Meißen und Görlitz sowie die Katholische Militärseelsorge Betroffene einbinden. Die Kirchen suchen bis zu acht Mitwirkende für einen Beirat. Sie sollen am Aufarbeitungsprozess „maßgeblich beteiligt werden“, heißt es dazu in einer Mitteilung vom Donnerstag. In einem weiteren Schritt soll eine regionale Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs eingerichtet werden. Auch dort sollen ebenfalls Vertreter des Betroffenenbeirats mitwirken.
Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche, Fälle von Vertuschung und die Aufarbeitung werden derzeit breit diskutiert. Das Erzbistum Berlin hatte Ende Januar ein Gutachten vorgestellt. Demnach hat die katholische Kirche in Berlin über Jahrzehnte Hinweise auf sexuellen Missbrauch ignoriert und aktenkundige Fälle unter Verschluss gehalten. Zum Erzbistum gehören neben Berlin der zentrale und nördliche Teil Brandenburgs, Vorpommern sowie die Stadt Havelberg in Sachsen-Anhalt.
In Sachsen ging es vor kurzem um die Einebnung eines Priestergrabes im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch. Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, befürwortete dies. Betroffene könnten an solchen Gräbern retraumatisiert werden.
Auszug Pressemitteilung des Bistums Dresden-Meißen
Die beteiligten Partner haben dazu eine gemeinsame Ausschreibung auf ihren Internetseiten veröffentlicht. Betroffene von sexuellem Missbrauch im Zuständigkeitsbereich dieser Institutionen werden damit zur Mitwirkung in diesem Betroffenenbeirat gebeten. Sie sollen so am Aufarbeitungsprozess maßgeblich beteiligt werden. Aufgrund ihrer Erfahrungen können sie auch vielfach die Arbeiten im Bereich Prävention und Intervention wirksam begleiten. Über die Auswahl entscheidet ein Gremium, dem vier Personen im kirchlichen Dienst, vier unabhängige Expertinnen und Experten und eine Betroffene angehören.
In einem weiteren Schritt wird die Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs eingerichtet werden. Diese setzt sich – neben entsandten Mitgliedern des Betroffenenbeirats – aus Experten aus Wissenschaft, Fachpraxis, Justiz und öffentlicher Verwaltung sowie Vertretern der beteiligten Institutionen zusammen. Die für den jeweiligen Bereich der (Erz-)Bistümer zuständigen Landesregierungen werden gebeten, Experten zu entsenden, um die Unabhängigkeit der Kommission zu gewährleisten.
Ziel ist es, einen stringenten Prozess der Aufarbeitung zu ermöglichen und durchzuführen. Damit soll der laufende Prozess zur Aufklärung, Prävention, Anerkennung und Analyse von sexuellem Missbrauch im Raum der Katholischen Kirche gemeinsam wirkungsvoll erweitert und fortgesetzt werden.
Hinweise zur Beteiligung am Betroffenenbeirat sind im Internet auf den Bistumsseiten der (Erz‑)Diözesen sowie der Katholischen Militärseelsorge zu finden
