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Asyl-Unterkunft in Einsiedel soll vor allem Familien aufnehmen

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Der Freistaat hat seine Pläne für die Asyl-Erstauf­nahme in Einsiedel offenbar überdacht. Entgegen ersten Ankün­di­gungen sollen in dem ehema­ligen Pionier­lager nun doch überwie­gend Familien mit Kindern unter­ge­bracht werden. Das Gelände mit seinen bunga­lo­war­tigen Häusern sei dafür bestens geeignet, hieß es von der Landes­di­rek­tion. Zudem sei bei den Flücht­lingen der Anteil von Familien inzwi­schen enorm gestiegen. Lange hat man Behörden vorge­worfen, bei der Aufnahme von Flücht­lingen zu mauscheln. Die Landes­di­rek­tion Sachsen setzt nun auf Trans­pa­renz und richtete einen Tag der Offenen Tür in Einsiedel ein. Der Andrang am Dienstag war groß. "Nein, wir haben nichts gegen Ausländer. Da können sie jeden in Einsiedel fragen." Die Antwort des 64 Jahren alten Mannes kommt wie aus der Pistole geschossen, obwohl die Frage eine ganz andere war. Gemeinsam mit seinem kleinen Hund steht er am Dienstag vor der künftigen Asylun­ter­kunft im Chemnitzer Stadt­teil Einsiedel. Zu DDR-Zeiten war das ein Pionier­lager, es trug den Namen von Palmiro Togliatti, dem langjäh­rigen Chef der Kommu­nis­ti­schen Partei Italiens. Zuletzt ging es hier richtig inter­na­tional zu. Die Anlage am Ortsrand von Einsiedel wurde als Schulungs­zen­trum genutzt - auch für auslän­di­sche Kursteil­nehmer. Darauf wird bei Gesprä­chen mit Einhei­mi­schen immer wieder verwiesen. Die, die da waren, mit denen sei man klar gekommen. Aber was wird mit denen, die nun kommen? Noch in diesem Jahr sollen die ersten Flücht­linge in Einsiedel einziehen. Die Landes­di­rek­tion Sachsen gibt ihre Zahl mit maximal 544 an und verweist darauf, dass größten­teils Familien kommen sollen. Das wird von den Anwoh­nern immer wieder angezwei­felt. Denn Politi­kern und Behörden glaubt man in diesen Tagen kaum noch etwas. Gerüchte haben die Runde gemacht, dass hier bis zu 2000 Betten aufge­stellt werden sollen. Keiner weiß, wer das eigent­lich behaup­tete, aber so ziemlich alle glauben es. Einsiedel hat knapp 3.000 Einwohner und liegt abseits vom Schuss. Auch die schlechte Verkehrs­an­bin­dung wird von Bewoh­nern immer wieder als Argument gegen eine Unter­brin­gung von Flücht­lingen ins Feld geführt. Schlie­ß­lich geht der letzte Bus nach Chemnitz schon um 20.00 Uhr, danach ist in Einsiedel nicht mehr viel los. "Was sollen die Flücht­linge eigent­lich in ihrer Freizeit machen", fragt der 64-Jährige Hunde­be­sitzer und zeigt in die Landschaft. Der Ortskern ist knapp einen Kilometer entfernt. Hinter der Unter­kunft beginnt der Wald. Und dann ist da die Sorge, dass sowieso bald alles verwüstet ist. Man höre das ja aus anderen Einrich­tungen, da gehe so vieles kaputt. Bei allen Klischees und Vorur­teilen ist die Neugier groß. Mehr als 200 Menschen sind am Dienstag gekommen, um das Objekt beim Tag der Offenen Tür zu inspi­zieren. Der künftige DRK-Leiter der Einrich­tung, Tino Hofmann, führt sie durch die Räume und beant­wortet geduldig Fragen. Die Frage, Warum die Asylbe­werber nicht den Speise­saal selber reinigen könnten, beschäf­tigt die Leute am meisten. Hofmann erklärt, dass die Flücht­linge für ihre Wohnräume sorgen müssten, nicht aber für den Speise­saal. Er berichtet auch, dass Frauen aus Syrien gern stricken und häkeln und weckt damit Inter­essen bei ein paar älteren Besuche­rinnen. Vielleicht lässt sich ja so Kontakt herstellen? "Die Akzep­tanz ist da, wenn Familien herkommen", glaubt ein 53 Jahre alter Anwohner. Nur bei ledigen Männern sieht er Probleme. Peter Darmstadt, in der Landes­di­rek­tion für Asyl und Auslän­der­recht zuständig, hält den Wider­stand gegen Flücht­linge in Einsiedel für überpro­por­tional hoch - aber mehr aus Verun­si­che­rung als aus fremden­feind­li­chen Motiven. "Es gab jede Menge Besorgt­heit. Ich hoffe, dass es damit zu Ende ist, wenn die Flücht­linge hier erst einmal wohnen", sagt er. (mit dpa)