Phil, das Weihnachtsschaf

Zuletzt aktualisiert:

André und Die Morgenmädels schenken euch eine Weihnachtsgeschichte! "Phil, das Weihnachtsschaf" von André Hardt.

Es geht um das schneeweiße Schaf Phil, das plötzlich über Nacht unsichtbar geworden ist. Ob der kleine Phil noch vor Weihnachten von seinen Freunden wieder gesehen wird und wie der Weihnachtsmann-Trick funktioniert, das erfahrt ihr in Andrés Geschichte.

"Phil, das Weihnachtsschaf" gibt es hier zum Anhören oder Downloaden ...

Die Geschichte zum Nachlesen

Vor zwei Tagen hatte es endlich begonnen zu schneien und jetzt wollte es gar nicht mehr aufhören. Es war die Zeit kurz vor Weihnachten und der Wald und die Wiesen, und wie es schien, die ganze Welt, verwandelten sich in ein Winterwunderland.

So weiß war jetzt alles wie die schneeweiße Wolle von Phil. Phil, das Schaf, das auf seiner verschneiten Wiese stand und mit seiner schneeweißen Wolle im schneeweißen Schnee über Nacht ganz unsichtbar geworden war. Doch davon wusste Phil im Moment noch nichts. Ihm gefiel der Gedanke, dass sich pünktlich mit der Weihnachtszeit ein Zauber über das Land gelegt hatte und es machte ihm Spaß, wie die dicken Schneeflocken auf seiner Nasenspitze tanzten und ihn kitzelten.

Phil, das Schaf freute sich über den Besuch des Winters und jetzt kamen auch seine Freunde zu Besuch. Schon von weitem sah er die Rehe, die jeden Tag auf einen kurzen Plausch bei ihm vorbeischauten auf dem Weg zu ihren Futterplätzen. Heute aber liefen sie wortlos an ihm vorüber. Das wunderte ihn sehr und als dann etwas später auch die Wildschweinfamilie, der Dachs und sogar Lilly, seine Hasenfreundin, einfach weitergingen, ohne auch nur ein einziges Wort mit ihm zu wechseln, wusste er, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmen konnte.

Doch jetzt kamen der stolze Hirsch und seine Frau erhaben auf ihn zugetrabt. Herr Hirsch, der immer alles wusste, besser wusste als die anderen Tiere. Ihn konnte man fragen, er würde wissen, was mit Phil geschehen war. Aber auch die Hirsche nahmen keine Notiz von ihm. Also musste er sie einfach ansprechen. "Määhhh....!" Weiter kam er nicht. "Hast du das auch gehört?" fragte der Hirsch seine Frau. "Nichts wie weg hier! Hier spukt es! Hier blöken Schafe, wo keine sind!" Die beide schmissen die Hufe und rannten so schnell sie konnten davon.

Phil war verzweifelt. Alle Tiere, alle seine Freunde hatten ihn einfach übersehen, so als wäre er vom Erdboden verschluckt worden und die Hirsche waren sogar vor ihm ausgerissen, wie vor einem bösen Geist. Vielleicht gab es ihn gar nicht mehr. Phil, das Schaf war einfach verschwunden, obwohl er doch genau spürte, dass er immer noch da war und auch die Tränen, die er inzwischen weinte und die zischend in den Schnee fielen, waren doch echte Tränen. Während all das geschah, schneite es unentwegt weiter und weiter und weiter.

"Warum weinst du?" fragte ihn plötzlich jemand. Er erschrak. Es war Clara, Clara die Eule. "Ich glaube, ich bin unsichtbar ... wieso kannst DU mich sehen und die anderen Tiere nicht?". "Weil ich besser sehe als die anderen Tiere, sagte die Eule. Du bist nicht unsichtbar. Du bist nur genauso schneeweiß wie der Schnee und deshalb vielleicht ein bisschen schwer zu erkennen. Die anderen Tiere haben einfach nur Tomaten auf den Augen!" "Aber was soll ich denn jetzt machen?" fragte Phil und konnte dabei gar nicht mehr aufhören zu weinen. "Hmm, es ist doch Weihnachten" antwortete die Eule. "Also mach einfach den Weihnachtsmann-Trick". "Den Weihnachtsmann-Trick?" "Ja! Solange der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten und seinen Rentieren durch die Luft fliegt, ist er für jedermann unsichtbar. Erst wenn er durch den Kamin ins Haus gekommen ist, kann man ihn sehen. Erst dann gibt er sich als Weihnachtsmann zu erkennen. Erst dann! Verstehst Du? Das ist der Weihnachtsmann-Trick! Also los!" "Äh also was?" "Jetzt sei kein dummes Schaf! Lauf zu dem Haus dort vorn am Rand der Wiese, klettere aufs Dach und spring' durch den Schornstein in den Kamin. Dann kommst du durch die Tür wieder raus. Und alles ist gut!" "Hab' ich dann auch einen Bart und einen roten Mantel?" "Nein, das glaube ich nicht. Aber du wirst bestimmt nicht mehr unsichtbar sein! "

Phil war sich nicht sicher, ob sich die Eule mit ihrem seltsamen Rat einfach nur einen schlechten Scherz mit ihm erlaubte. Doch seine Verzweiflung darüber, vielleicht für immer ein unsichtbares Schaf zu bleiben, war so groß, dass er sich auf den Weg zu dem Haus am Rande der Wiese machte. "Rein in den Kamin und raus aus der Tür" murmelte er die ganze Zeit vor sich hin. Er nahm schließlich all seinen Mut zusammen, kletterte auf das Dach, sprang durch die Schornsteinöffnung und ... und blieb stecken.

"Was ist denn hier los?" fluchte eine tiefe Stimme. "Hier ist besetzt!" Phil, das Schaf und der massige Körper zu dem die Stimme gehörte, quetschten und zwängten sich Zentimeter für Zentimeter durch die enge Schornsteinöffnung. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, dann machte es mit einem Mal Plums und die beiden kullerten durch den Kamin in ein warmes Zimmer, das in hellem Kerzenlicht erstrahlte. Phil traute seinen Augen nicht. Schwerfällig erhob sich vor ihm der Weihnachtsmann. Er schimpfte noch immer in seinen Bart, während er sich den staubigen Mantel ausklopfte. Doch dann sah er zu Phil hinab und lächelte das gütigste Lächeln, das je ein Schaf zu Gesicht bekam.

"Fröhliche Weihnachten!" sagte er. Phil konnte nichts erwidern. Er hatte seine Sprache verloren. Mit offenem Mund starrte er den Weihnachtsmann an, so als wäre er ein Weltwunder. Dabei war es doch eigentlich nur der Weihnachtsmann! Dann kamen ihm die Worte der Eule wieder in den Sinn. Rein in den Kamin und raus aus der Tür! Ja, er musste jetzt ganz schnell zu seinen Freunden und ihnen ganz schnell alles erzählen. "Frrröö....Fröööhlliche Weih...Weihnachten!" stammelte er, taumelte zur Tür hinaus und rannte zu seiner Wiese. Dort standen schon alle seine Freunde, weil sie ihn vermissten, die Rehe, die Wildschweinfamilie, der Dachs, Lilly, seine Hasenfreundin und auch die Hirsche waren dort.

"Da kommt er ja!" riefen sie. "Unser Phil, das Schaf ist wieder da! Und seht nur, wie gut er schon von weitem zu erkennen ist im weißen Schnee. Er ist ganz schwarz! Wo warst du? Wo bist du gewesen?" fragten jetzt alle durcheinander. "Naja, ich habe mit dem Weihnachtsmann im Kamin festgesteckt" antwortet Phil. "Entschuldigt bitte meine Verspätung." Da staunten die Tiere nicht schlecht. Etwas weiter abseits saß die Eule und lächelte. Das gütigste Lächeln, das je ein Schaf zu Gesicht bekam. Und jetzt wünschten sie sich alle frohe Weihnachten!