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Acht Geschlechterklischees – stimmen sie?

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Es ist bei uns in Chemnitz und überhaupt in ganz Ostdeutschland weit mehr als ein Klischee, dass wir in Sachen Gleichberechtigung weiter seien als die Einwohner Westdeutschlands – die Wurzel dessen liegt in einem völlig anderen Frauenbild zu DDR-Zeiten.

Zwar sind seit der Wende 30 Jahre vergangen, eine ganze Generation reifte seitdem zu Erwachsenen heran - ohne DDR-Emanzipation. Dennoch sehen Gesellschaftsforscher nach wie vor ein „geteiltes Deutschland“, in dem hier weiterhin eine emanzipiertere Grund-Geisteshaltung herrscht.

Doch weg von derartiger Gesellschaftstheorie kennen wir alle einige Geschlechterklischees. Der folgende Artikel nennt sie und schaut, was die Wissenschaft zu ihnen sagt – der Gleichberechtigung wegen natürlich für beide Geschlechter.

Männer sind sportvernarrt

Ob auf der Couch beim Fußball oder im Fitnessstudio: „der“ Mann, so der Glaube, interessiert sich über alle sozialen und sonstigen Grenzen hinweg für Sportliches.

Stimmt auch. Das fand eine US-amerikanische Studie vor einigen Jahren heraus. Der Grund dafür ist evolutionärer Natur: Wettbewerb, Jagd, Verteidigung, das sind alles genetisch feste Strukturen in Männern, die aus den menschlichen Frühtagen stammen. Die Sport-Lust ist die zivilisiertere Ausprägung dessen, was früher tatsächlich blutige Angelegenheiten waren.

Frauen können nicht Auto fahren


Wahrscheinlich ist es das bekannteste Klischee dieser Liste. Sicher aber das mit den hartnäckigsten pseudowissenschaftlichen Erklärungsversuchen. Etwa „Frauen haben ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen“ – wissenschaftlich unhaltbar.

Tatsächlich ist es sogar ein wegsterbendes Klischee. Denn in allen Altersgruppen beträgt das männliche Vertrauen in die Fahrfähigkeit ihrer Partnerinnen mehr als 85 Prozent –umgekehrt ist es noch höher.
Verstärkt wird das durch die nackte Statistik: Insgesamt bauen mehr Männer Unfälle als Frauen – obwohl unter beiden Gruppen in etwa gleichviele Führerscheinbesitzer zu finden sind.

Männer geben beim kleinsten Schnupfen den sterbenden Schwan

Frauen können mehr Schmerzen ertragen, damit sie Kindsgeburten überstehen – sagt der Volksmund. Aber wie sieht es mit der Ableitung aus: Männer verhalten sich schon bei der kleinsten Erkältung so, als stünde der Sensenmann neben ihnen?

Leider demaskierte eine Forschungsarbeit dazu das „falsche“ Klischee: Frauen sind tatsächlich schmerzempfindlicher als Männer – und weil diese nur ein X-Chromosom haben, sind bei ihnen die Abwehrkräfte im Nachteil. Heißt, Frauen haben bei Erkältung zwar heftigere (abwehrbedingte) Symptome, etwa Fieber, dafür werden Männer häufiger und stärker krank.

Frauen sind Sex-Muffel

…und heut Abend hab ich Kopfweh…“. Derart wird Frauen schon seit langem attestiert, weit weniger an Sex interessiert zu sein als Männer.

Die Antwort auf dieses Klischee ist zwiespältig. Denn es stimmt nur wegen bestimmter Gründe:

  1. Über Jahrhunderte waren Frauen von prüden bzw. hypermoralisierenden Erwartungshaltungen weitaus stärker betroffen als Männer.
  2. Vor allem die ersten Generationen der Antibabypille enthielten so hohe Hormondosen, dass sie weibliche Lust nachhaltig dämpften – und weil jede Frau anders ist, reagieren viele auch auf die heutigen, weit schwächeren, Pillen empfindlich.

Doch was passiert, wenn man Frauen und Männer ohne Pille, ohne prüde Moralvorstellungen gegenüberstellt? Dann gilt: Männer haben zwar mehr Testosteron, das Lust-Hormon, dafür reagieren Frauen aber auf geringere Mengen empfindlicher. In Sachen Libido herrscht deshalb Gleichstand.

Männer reden überhäufig im Kommandoton

Preisfrage: Warum sprechen sämtliche Navigationssysteme, dazu auch alle Sprachassistenten in der Basiseinstellung mit weiblichen Stimmen und warum wird das von vielen stark kritisiert?

Es liegt daran, dass männliche Stimmen generell und besonders solche, die recht tief sind, als herrischer, kommandierender empfunden werden. Reine Gefühlssache? Nein, sagt eine weitere Forschungsarbeit aus den USA. Eine tief in unser Verhalten eingeimpfte Reaktion.

Derzeit deuten weitere Arbeiten darauf hin, dass es sich hierbei um ähnliche genetische Effekte handelt wie andere männliche Reize – etwa muskulöser Körperbau. Tiefe Stimme gleich mehr Maskulinität gleich besseres Genmaterial für eine Paarung. Dadurch stimmt das Klischee zumindest teilweise. Wobei viele Männer wohl nicht absichtlich im Kommandoton sprechen.

Frauen mögen Rosa und Pink


Schon seit Jahren plädieren Genderwissenschaftler dafür, ein eklatantes Gleichberechtigungshindernis an der Wurzel zu packen – indem schon im Babyzimmer die Farbtrennung in Rosa und Blau aufgehoben wird.

Denn, so sehen es viele Experten aus dieser Disziplin, diese Farb-Vorliebe, die sich noch bis ins höchste Alter durchzieht, sei ein gesellschaftliches Konstrukt - eingeimpftt.

Stimmt aber nicht; zumindest nicht ganz. Dazu ließen Forscher schon vor einigen Jahren nicht nur westlich geprägte Probanden, sondern auch Chinesen einen großangelegten Test zu diesem Thema absolvieren. Der ist deshalb besonders aufschlussreich, weil sich China in farbkultureller Hinsicht stark von westlichen bzw. westlich geprägten Ländern unterscheidet. Dort wird beispielsweise Rosa nicht traditionell als weibliche Farbe angesehen.

Das Ergebnis: Frauen mochten zwar Blau ebenso sehr wie die Männer. Insgesamt tendierten sie jedoch grundsätzlich zu rotstichigeren Farbschattierungen. Die Forscher vermuten dahinter evolutionäre Gründe. Warum Frauen jedoch tatsächlich Rottöne präferieren, weiß die Wissenschaft noch nicht.

Männer können keine Gefühle zeigen

Abermals handelt es sich hier um ein Klischee, das von Verfechtern der Gleichberechtigung besonders kritisch betrachtet wird. Denn männliche Gefühlskälte, egal wie stark sie beim einzelnen auch ausgeprägt ist, wird von vielen als Grundübel angesehen, auf dem viele weitere Probleme aufbauen.

Tatsächlich stimmt es auch. Zumindest im direkten Vergleich mit Frauen. Und sämtliche Hinweise deuten darauf hin, dass es sich in der Tat um ein rein soziokulturelles Phänomen handelt. Der Junge, der von der Gesellschaft zum harten Mann erzogen wird. Zumindest finden Forscher, auch unter Berücksichtigung unserer Jäger-und-Sammler-Vorgeschichte, keine sinnvolle Erklärung, welche evolutionären Vorteile es gehabt haben könnte, keine oder nur wenige Emotionen zu zeigen.

Frauen können besser Multitasking

Das Telefon zwischen Ohr und Schulter geklemmt, eine Hand auf der Tastatur, die andere in einer Akte, dabei noch rhythmisch mit einem Fuß wippen und eine vorbeigehende Kollegin mit einem Lächeln begrüßen. Ein Paradebeispiel für die multitaskende Frau. Dagegen der Mann – bekommt schon Schweißausbrüche, wenn er beim Schreiben zu oft unterbrochen wird.

Abermals handelt es sich um ein Klischee mit vielen populärwissenschaftlichen Lösungsansätzen. Wie etwa dem, dass die Urzeit-Frau nicht nur viele Kinder behüten, sondern gleichzeitig auch das Feuer und die Höhle bewachen und dabei Essen machen musste.

Klingt plausibel, macht das Klischee aber nicht seriöser. Denn nachdem die Wissenschaft sich jahrzehntelang uneins war, mal Männer mal Frauen vorne sah, machte eine deutsche Untersuchung vergangenes Jahr die Probe aufs Exempel. Ergebnis: Frauen und Männer geben sich in Sachen Multitasking-Fähigkeiten kaum etwas. Dazu lieferten die Forscher aus Aachen auch einen Erklärungsansatz, warum bisherige Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Die Arbeiten hätten durch ihre Art inhärent geschlechtsspezifische Fähigkeiten abgefragt – wodurch das jeweils eine oder andere Geschlecht besser abgeschnitten hatte.

Weiterer Forschungsstand: Generell sei das menschliche Gehirn kein guter Multitasker. Auch die, die es gut können, filtern innerhalb der Tätigkeiten in wichtig und unwichtig.